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Bildet Banden wurde schnell mein Motto“

In dieser Interview-Reihe stellen wir literarische Freelancer vor. Egal ob Autor*in, Übersetzer*in, Lektor*in oder Veranstalter*in: Jede*r hat seinen*ihren eigenen Weg in die Selbstständigkeit gefunden. Wie war das bei dir, Michael Meisheit?

Stell dich kurz vor! Wer bist du und was arbeitest du im Literaturbetrieb?

Michael Meisheit, Jahrgang 1972, lebe in Berlin. Nach meinem Filmstudium habe ich zunächst Drehbücher geschrieben, vor allem für die „Lindenstraße“. 2012 habe ich dann das Selfpublishing entdeckt und habe seitdem unter meinem Pseudonym Vanessa Mansini mehr als zwanzig Romane selbst veröffentlicht. Seit 2019 schreibe ich auch Thriller für den Heyne-Verlag.

Was war für dich beim Berufseinstieg die größte Herausforderung?

Als ich über das Selfpublishing in die Welt der Literatur eingestiegen bin, musste ich auf mehreren Ebenen umdenken. Wenn man mit selbstveröffentlichten Büchern Geld verdienen will, geht es vornehmlich um eBooks, es geht um Algorithmen und es geht um (nicht unbedingt beliebte) Online-Plattformen. Alles Welten, die mir bis dahin nicht so sehr vertraut waren. Außerdem musste ich meine innere Rampensau finden, denn natürlich muss man sich selbst vermarkten. Etwas, das mir als im Hintergrund agierender Drehbuchautor zunächst sehr fremd war. Die Belohnung dafür war allerdings, dass ich komplett frei über alles entscheiden konnte. Es waren meine Fehler, die zu Misserfolgen führten, aber auch meine Entscheidungen, die Erfolg brachten.

Was war die wichtigste Erkenntnis deiner bisherigen beruflichen Laufbahn?

Dass man als vermeintlicher Autor im Elfenbeinturm nicht allein ist und auch nicht sein sollte. „Bildet Banden“ wurde schnell mein Motto und dank der sozialen Medien war es auch möglich, sich deutschlandweit gut zu vernetzen und gegenseitig zu unterstützen. Es kann mehr als ein Buch erfolgreich sein und als Gruppe erreicht man deutlich mehr, kommt man schneller voran. Und sei es nur, dass man immer ein paar Kolleg*innen online findet, mit denen man eine virtuelle Kaffeepause machen kann. Selbst Corona kann dem wenig anhaben, wobei es natürlich am schönsten ist, wenn auf Messen oder Ähnlichem auch reale Begegnungen stattfinden und Freundschaften entstehen.

Was würdest du Einsteiger*innen raten, die gerne in deinem Bereich anfangen würden?

Wer ein Buch selbst veröffentlichen will, sollte sich unbedingt vorher Gedanken machen, wie er das Werk an die Leser*innen bringt. Also nicht veröffentlichen und dann mal schauen. Auf vielen Plattformen sind die ersten Verkaufstage entscheidend für den Erfolg. Und auch schon in der Schreibphase kann man eine Öffentlichkeit für die eigene Arbeit herstellen. Es gibt zahlreiche Internetseiten oder soziale Medien, wo man Tipps und Hilfe bekommt, wie das klappen kann, denn – siehe oben – man ist mit diesem schwierigen ersten Schritt nicht alleine …

Michael Meisheit, Jahrgang 1972, war zwanzig Jahre als Drehbuchautor für die „Lindenstraße“ tätig. Seit 2012 veröffentlicht er – vor allem unter dem Pseudonym Vanessa Mansini – humorvolle Liebesromane. Mit „Nicht von dieser Welt“ gewann er 2014 den Indie-Autoren-Award der Leipziger Buchmesse. Insgesamt hat er fast 200.000 Exemplare seiner Bücher und Hörbücher im Selfpublishing an die Leser*innen gebracht. Seit Oktober 2019 schreibt er Thriller für Heyne. Sein zweites Werk „Watch“ erschien im Juni 2021.

Foto im Header: © Eric Weiss

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