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„Im Buchmarkt braucht man eine Vision“

In dieser Interview-Reihe stellen wir literarische Freelancer vor. Egal ob Autor*in, Übersetzer*in, Lektor*in oder Veranstalter*in: Jede*r hat seinen*ihren eigenen Weg in die Selbstständigkeit gefunden. Wie war das bei dir, Steffi Bieber-Geske?

Stell dich kurz vor! Wer bist du und was arbeitest du im Literaturbetrieb?

Ich bin Steffi Bieber-Geske, seit zwölf Jahren Kinderbuchautorin und Verlegerin bei Biber & Butzemann, dem Kinderbuchverlag für Abenteuergeschichten über die schönsten Reiseziele in Deutschland und darüber hinaus. Außerdem organisiere ich seit 2014 mit meinem Team die Berliner Buchmesse BUCHBERLIN, die BUCHBERLIN-Tagung, eine digitale Weiterbildungsveranstaltung für Autor*innen und Verleger*innen sowie das Kinderbuchfestival BUCHBERLINkids.

Was war für dich beim Berufseinstieg die größte Herausforderung?

Ich bin Literatur- und Kommunikationswissenschaftlerin und habe mich schon im Studium viel mit dem Buchmarkt beschäftigt. Trotzdem bin ich dann erstmal Journalistin geworden, denn ich hab bereits seit meinem 16. Lebensjahr für verschiedene Tageszeitungen, später dann für Unternehmen geschrieben. Die Verlagsgründung 2010 war ein Liebhaberprojekt in der Elternzeit. Die größte Herausforderung für mich und die meisten anderen kleineren und mittelständischen Verlage war und ist die Sichtbarkeit. Darum habe ich die BUCHBERLIN gegründet, bei der unabhängige Verlage und Autor*innen im Mittelpunkt stehen.

Was war die wichtigste Erkenntnis deiner bisherigen beruflichen Laufbahn?

Im Buchmarkt braucht man eine Vision, gute Nerven und einen langen Atem, egal ob man lektoriert, schreibt, verlegt, Bücher verkauft oder eine Buchmesse organisiert. Nur, wenn man durchhält und sich von Rückschlägen oder Stagnation nicht unterkriegen lässt, kann man meiner Meinung nach Erfolg haben. Mein Verlag hat Jahre gebraucht, um schwarze Zahlen zu schreiben. Heute haben wir 90 Titel im Programm und sind der führende deutsche Verlag für regionale Kinderbücher. Die BUCHBERLIN ist mit 65 Ausstellenden, die ich größtenteils persönlich kannte, im Audimax einer Hochschule gestartet. Heute füllen wir mit 300 Ausstellenden die Arena Berlin und sind die drittgrößte deutsche Buchmesse.

Was würdest du Einsteiger*innen raten, die gerne in deinem Bereich anfangen würden?

Wer freiberuflich oder selbständig im Literaturbetrieb arbeiten möchte, dem würde ich empfehlen, nebenberuflich einzusteigen, mit einem Brotjob im Hintergrund, der die Miete bezahlt. Es ist immer riskant, auf nur ein Pferd zu setzen, und der Kreativität nicht förderlich, wenn man nicht weiß, wie man finanziell über die Runden kommen soll.

Steffi Bieber-Geske, Jahrgang 1978, schreibt seit ihrem 16. Lebensjahr – zunächst für Tageszeitungen, später für verschiedene Unternehmen und Organisationen. Die Journalistin studierte Publizistik, Psychologie und Neuere Deutsche Literatur – mit dem Schwerpunkt Kinderbücher und Märchen – an der Freien Universität und der Humboldt-Universität Berlin. Heute schreibt und verlegt die Mutter von zwei Söhnen erfolgreich Kinderbücher.

Foto im Header: © Pierre Adenis

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