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Vierter Branchentreff Literatur: Digitalisierung, Neoliberalismus, Diversität

Die Vorfreude steigt: Am 19. Juni startet der Vierte Branchentreff Literatur mit Webinaren, Live-Streams, Workshops, Diskussionen von und für die freie Literaturszene. In den nächsten Tagen wird die Anmeldung für die einzelnen Veranstaltungen möglich sein. Worum es an den einzelnen Tagen des Branchentreffs gehen wird – das können wir Ihnen aber jetzt schon sagen:

Freitag, 19. Juni 2020 // Speeddating mit der Digitalisierung?

Nach wenigen Tagen des Lockdowns und der Schreckstarre begann eine hastige Schnelldigitalisierung der Gesellschaft. So auch in der Literaturszene. Gestreamte Literaturfestivals und digitale Beratungsangebote schossen aus dem Boden, und die sozialen Netzwerke liefen heiß. Nun ist die erste Welle dieser Verzweiflungseuphorie abgeebbt, man vermisst zunehmend das physische Miteinander bei Veranstaltungen und ist frustriert über zu geringe Bandbreiten, mangelhaften Datenschutz zahlreicher Anbieter und andere Einschränkungen, die das Digitale mit sich bringt. Wie werden sich in der Welt nach Corona Digitales und Analoges verschränken? Welche vielleicht nicht ganz so naheliegenden digitalen Möglichkeiten kann man noch für sich nutzen? Und was wird von dem aktuellen Digitalisierungsschub bleiben, wenn wir uns wieder analog in die Arme fallen können?

Samstag, 20. Juni 2020 // Wie neoliberal sind wir?

Globalisierte Lieferketten, geschäftliche und touristische Hyperaktivität, Raumeffizienz auf Kosten ausgebeuteter Wanderarbeiter*innen – das Virus ist auch ein Neozoon, eine invasive Art der neoliberalen Weltgesellschaft. Jede Gesellschaft kriegt das Virus, das sie verdient, könnte man sagen – wenn es nicht gerade ein zentrales Merkmal des neoliberalen Systems wäre, dass die einen die Gewinne einstecken und die Risiken auf andere abgewälzt oder vergemeinschaftet werden. Und ist nicht auch Solo-Selbständigkeit an sich so ein neoliberales Neozoon? Machen wir nicht zum Teil dieselbe Arbeit, die früher festangestellte und sozialversicherte Journalist*innen oder Lektor*innen gemacht haben? Externalisieren nicht unsere Auftraggeber ihr Risiko auf uns? Wie wir diese Falle vermeiden und uns als Autor*innen, Lektor*innen, Übersetzer*innen eine selbstbestimmte, abgesicherte und sinnerfüllte berufliche Existenz schaffen oder bewahren, ist Thema des zweiten Tages.

Sonntag, 21. Juni 2020 // Mehr Diversität wagen!

Die letzten Jahre und auch die Reaktion auf die Pandemie haben gezeigt, dass Europa das Denken in nationalen Egoismen noch nicht überwunden hat. Im Zweifel wird offenbar noch immer (oder wieder verstärkt) der eigenen Horde vertraut und den Anderen (was auch immer an ihnen anders sein mag) mit Misstrauen begegnet. Das gilt auf internationaler Ebene genau wie innerhalb der Gesellschaft. Doch engstirniges Leitkultur-Denken ist nicht das richtige Mindset, um in einer digitalisierten und globalisierten Welt klarzukommen. Wir müssen nicht irgendwelche Standards etablieren, irgendwen in irgendetwas integrieren, sondern lernen, der Vielfalt der Welt mit Respekt, Toleranz und Interesse zu begegnen. Ein Kulturwandel ist also gefragt. Wie wir als Kulturträger*innen hier unseren Beitrag leisten können, wie die Literaturszene diverser werden kann, wie wir selbst unsere internationale Zusammenarbeit gestalten können, ohne dabei en passant das Klima zu ruinieren – das sind die Leitfragen des dritten Tages.

Mehr zum Branchentreff Literatur erfahren Sie hier.

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