Press "Enter" to skip to content

„Nicht zu viel nachdenken, machen. “

In dieser Interview-Reihe stellen wir literarische Freelancer vor. Egal ob Autor*in, Übersetzer*in, Lektor*in oder Veranstalter*in: Jede*r hat seinen*ihren eigenen Weg in die Selbstständigkeit gefunden. Wie war das bei dir, Alexander Lehnert?

Stell dich kurz vor! Wer bist du und was arbeitest du im Literaturbetrieb?

Ich bin Alexander Lehnert und arbeite als Moderator, Veranstalter und kokettiere als kulturelle Schwerpunkt-DragQueen Audrey Naline. Ich LipSynce lyrische Werke auf Youtube, moderiere Lesungen und Literaturgespräche und unterhalte in Stöckelschuhen und großen Haaren. In meinem kleinen Produktionsbüro „Gleiswildnis“ entsteht unter anderem die anonyme Lesereihe „Konzept*Feuerpudel“. Aktuell arbeiten wir in einer Kooperation an einer Netzwerkveranstaltung zum Arbeitsräume teilen, der „RaumSolidarität“.

Was war für dich beim Berufseinstieg die größte Herausforderung?

Ich bin da eher so langsam reingeraten, und das war und ist vielleicht die größte Herausforderung: zu realisieren, dass das, was ich mache, gerade Teil eines Berufslebens wird. Gerade, wenn man versucht, sich um alles gleichzeitig zu kümmern, kann manches auf der Strecke bleiben. Die zweitgrößte: ein langer Atem. Die wenigsten Pläne haben sich so entwickelt, wie ich es mir anfangs vorgestellt habe, aber die meisten haben sich entwickelt, und in der vorläufigen Rückschau fühlt es sich oft so an, als käme einem alles irgendwann zu Gute, good or bad.

Was war die wichtigste Erkenntnis deiner bisherigen beruflichen Laufbahn?

Bin ich leider noch nicht zu gekommen, aber soll wohl eine Deadline geben.

Was würdest du Einsteiger*innen raten, die gerne in deinem Bereich anfangen würden?

Nicht zu viel nachdenken, machen. Gerade am Anfang hat man noch sehr viel Platz für Experimente, Fehler, Überraschungen. Ob es Moderation, Veranstaltungen machen oder Drag ist, ganz platt: Übung macht die Meisterin. Üben, wie man ein Publikum unterhält, eine Reißleine zieht, über Geld redet, ein Vorgespräch führt, ein Cat-Eye schminkt, gerade genug auf die Meinung anderer gibt, ohne sich zu verbiegen, „Nein“ sagt, auch wenn einfach nichts sagen weniger Gegenwind bedeutet. Gerade fürs Moderieren: Ein Nebenjob, in dem man viel mit Menschen sehr unterschiedlicher Hintergründe spricht.

Alexander Lehnert lebt in Berlin. Studium der Kulturwissenschaften an der Viadrina FFO. Veranstaltet seit 2010 die anonyme Lesebühne Konzept*Feuerpudel und arbeitete als Moderator und Kulturvermittler unter anderem für die Berlinale Open House, die Lettrétage, das LCB und das Internationale Literaturfestival Berlin. Stadtbilderklärer auf der Spree und Bewährungshelfer der Drag-Person Audrey Naline. Audrey kann sich nicht erinnern, was sie früher gemacht hat.

Foto im Header: © Franzi Bährle

Möchtest du auch deine Geschichte erzählen und Einsteiger*innen ein paar Tipps mit auf den Weg geben? Melde dich bei Philipp Böhm (philipp.boehm[at]lettretage.de) und beantworte die vier Fragen!

Comments are closed.